Interview mit Wolfgang Dillbaum-Alexius über die Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt

Q |   Sie sind Geschäftsführer eines Unternehmens rund um Flugzeugersatzteile. Woher kommt diese Liebe für die Luftfahrt, wie sind Sie in dieser Branche „gelandet“?

WD |   1986 war die Rheinland Air Service noch ein relativ kleines Unternehmen, in dem der Einkauf neu besetzt und der Vertrieb von Ersatzteilen aufgebaut werden sollte. Ich konnte diese Stelle bekommen und habe seitdem immer in der Fliegerei gearbeitet. Das sind jetzt 34 Jahre, über die ich jeden Tag etwas dazugelernt habe und die meine Leidenschaft für die general aviation (GA) geprägt haben.

Q |   Warum die Gründung von aps? Wollten Sie schon immer Ihren eigenen Weg gehen?

WD |   Das ist eher eine zufällige Geschichte gewesen. Nach 17 Jahren habe ich die Rheinland Air Service verlassen um für JET Aviation zu arbeiten. Trotzdem haben mich viele meiner Stammkunden weiterhin kontaktiert und gebeten, etwas für sie zu tun: weiter in der Branche für die kleinere Fliegerei zu bleiben. Aufgrund dessen habe ich im Jahr 2002 die aps zunächst als Nebenprojekt gegründet. Relativ schnell nahm das Projekt eine solche Dynamik an, dass ich dann mit Vollgas für die aps weitergearbeitet habe. Seit 2009 kümmerte ich mich dann hauptberuflich um die aps und konnte auch bereits meine ersten Mitarbeiter einstellen.

Q |   Wie waren die Anfänge von aps und was ist die Kernphilosophie, die sich seither durch das Unternehmen zieht?

WD |   2009 hatten wir schon eine gute Kundenbasis. Das Entscheidende war aber, dass mir sehr, sehr viele Kunden Treue geschworen haben: „du musst dich jetzt selbstständig machen, lassen wir dich nicht im Regen stehen, wir werden bei dir einkaufen, wir werden dich weiter unterstützten“. Das ist was letztendlich den Erfolg von aps bis heute ausmacht. Wir haben eine fantastische Kundschaft, die uns seit vielen Jahren treu verbunden ist, mit uns zusammen gewachsen ist und die den Erfolg von aps  letzten Endes ermöglicht hat. Wir können nicht dankbar genug sein, dass wir solche Kunden haben. Das ist nicht selbstverständlich. Frau Lomanns, Frau Seidel und ich sind ja von Anfang an dabei und haben in den Jahren ein wirklich freundschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden aufgebaut. Die Kunden wissen auch, dass wir uns für sie ein Bein ausreißen. Wir haben keine normale Lieferanten-Kunden-Beziehung, sondern eine sehr partnerschaftliche Beziehung zu unseren Kunden. Das ist mir und unseren Mitarbeitern sehr wichtig. Dazu gehört Zuverlässigkeit und selbstverständlich auch Vertrauen auf beiden Seiten.

Q |   Ihr Team besteht aus langjährigen Mitarbeitern, aber auch neuen Gesichtern, hat dieser Mix einen besonderen Vorteil für das Unternehmen und für Ihre Kunden?

WD |   Es ist mit Sicherheit ein ganz großer Vorteil, dass wir einige erfahrene Kollegen haben, die das Wissen weitergeben können. Ich bin auch froh, dass wir viele junge Mitarbeiter haben, die eine andere Sichtweise haben, die frisches Blut, frische Ideen und frischen Wind in das Unternehmen einbringen. Insbesondere im Zuge der Digitalisierung ist dies ein wichtiger Bestandteil unserer Philosophie.

Q |   Man kann viel über die schwierige Situation großer Fluglinien lesen und in den Nachrichten hören.  Dabei sind auch zahlreiche kleinere Betriebe in der Flugbranche, die von der Corona-Krise schwer betroffen sind. Sie haben einen direkten Draht zu vielen. Wie ist da die Stimmung? 

WD |   Die Stimmung ist noch relativ gelassen, weil die Werften in den letzten Jahren eine Auslastung von über 100 %. hatten. Man hatte eher das Problem, dass man nicht immer alles abarbeiten konnte, was in die Halle gestellt wurde. Die Krise hat etwas Ruhe einkehren lassen. Man konnte sich den langfristigen Projekten widmen. Deshalb ist die Auslastung nach wie vor vernünftig. Sollte die Krise noch länger dauern, sollte es weiterhin Flugbeschränkungen speziell für Flugschulen und Vereine geben, wird sich das doch deutlich auf die Branche niederschlagen. Man muss natürlich den gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang sehen: Haben die Leute nach der Krise noch das Geld zum Fliegen? Das kommt besonders in der Privatfliegerei zum Tragen, weil Fliegen ein sehr kostenintensives Hobby ist. Trotz alledem sind die meisten Flieger Enthusiasten und werden weiterfliegen. Da bin ich sicher. Einen Rückgang wird es nur geben, wenn die Fliegerei wirklich nicht mehr bezahlbar ist. Daran arbeitet natürlich auch die aps das Fliegen bezahlbar zu lassen (*lacht).

Q |   Die AOPA (Verband der Flugzeugeigentümer und Piloten) appellierte in einem Bericht für die möglichst große Beibehaltung der Normalität in der Allgemeine Luftfahrt. Halten Sie die Lockerung der Maßnahmen in der Allgemeinen Luftfahrt für richtig?

WD |  Da bin ich ein bisschen zwiegespalten. Es ist ein Unterschied, ob ich eine kleine Maschine wie eine Cessna 172 alleine fliege oder in einem mit 350 Passagieren besetzten Airbus fliege, in dem es viel enger ist. Dennoch muss man überlegen, was von der Luftfahrt, gerade von der kommerziellen Luftfahrt abhängt. Letztendlich können die großen deutschen – bzw. alle – Airlines nicht länger am Boden bleiben. Ich persönlich bin großer Freund der Maskenpflicht, weil damit schon etwas gegen die Verbreitung tun kann.

Q |  aps hat eine bedeutende Kundenstamm in Deutschland und in Europa. Glauben Sie, dass die Kunden nach der Krise regionale bzw. nationale Kontakte sogar noch mehr suchen werden?

WD |  In unsere Branche wird bestimmt auch ein Umdenken stattfinden, sodass wieder mehr die heimische Großhändler aufgrund der Lagerkapazitäten in Deutschland bevorzugt werden. Die Kunden werden mehr auf die Flexibilität und Kompetenzen der deutschen und europäischen Anbieter achten. Wir haben selbst Niederlassungen im  Ausland, im Ost-Europa und in Belgien für den französischsprachigen Raum, diese Betriebe möchte ich weiterhin nach vorne bringen. Somit haben die Kunden in ganz Europa ein „go to“ aps-Kontakt in deren Region. Eine ganz große Frage wird für uns natürlich auch sein: Was passiert mit dem BREXIT? Was uns letztes Jahr noch so intensiv beschäftigt hat, geht nun vollkommen unter. Wird es einen harten BREXIT geben, wird die Rolle der  aps mit Sicherheit bedeutender. Wir sind eine der größten Händler auf dem Kontinent und das mit einem überragenden Lager (*lacht).

Q |   Nutzt aps die aktuelle relativ ruhige Zeit aus?

WD |  Oh ja. Wir nutzen die Zeit jetzt um die Firma zu digitalisieren. Wir arbeiten an einer IT-Infrastruktur, an dem Aufbau eines Webshops und an weiterer digitaler Prozessoptimierung. Ähnlich zu den Werften hatten wir letzten Jahren auch eine enorm hohe Auslastung und dabei ist unsere Struktur zu kurz gekommen. Wir wollen nach der Krise auf jeden Fall stärker sein als vor der Krise und unseren Kunden einen absoluten Mehrwert bieten. Ein „added value“ ist das Ziel. Ich bin davon überzeugt, dass wir in 6 Monaten eine aps sehen werden, die die Erwartungen der modernen digitalen Ära nicht nur erfüllen, sogar übertreffen wird.

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